Einen Sporenabdruck vom eigenen Pilz machen: das schönste Experiment nach der Ernte
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Wer je einen Austernpilz einen Tag zu lang am Block hängen ließ, kennt das weiße Pulver, das dann auf allem darunter liegt. Das sind Sporen, und sie sind der ganze Grund, warum ein Pilz existiert. Mit einem Hut aus dem eigenen Zuchtset, einem Blatt Papier und einer Nacht Geduld machst du daraus einen Sporenabdruck: ein Abbild der Lamellen in Millionen mikroskopischer Pünktchen. Züchter und Mykologen tun das, um Arten zu bestimmen; zu Hause ist es das schönste Experiment, das es nach der Ernte gibt.
Was ist ein Sporenabdruck?
Ein Pilz entlässt ab dem Moment, in dem sich sein Hut öffnet, Sporen aus den Lamellen oder Poren an der Unterseite. Die fallen senkrecht nach unten. Legst du den Hut mit der Unterseite auf Papier, fallen sie im Muster der Lamellen aufs Papier, und es entsteht ein Abdruck, der aussieht wie eine fein gezeichnete Blüte. Die Farbe dieses Abdrucks ist je Art festgelegt und deshalb eines der wichtigsten Merkmale, mit denen Pilze bestimmt werden. Weiß, rosa, braun, schwarz: Sie sagt mehr als die Farbe des Huts.
Was brauchst du?
- Einen reifen Pilz mit gerade geöffnetem Hut. Ein Austernpilz, Shiitake oder eine Braunkappe aus eigener Zucht ist ideal, denn den kennst du sicher.
- Papier in zwei Farben: ein weißes und ein schwarzes Blatt, oder ein weißes Blatt, das du zur Hälfte schwarz färbst. Weiße Sporen siehst du nur auf dunklem Papier, braune nur auf hellem.
- Ein Glas oder eine Schüssel, die über den Hut passt.
- Ein Messer, und eine Nacht.
Schritt für Schritt
- Schneide den Stiel direkt unter dem Hut ab, sodass der Hut flach mit den Lamellen nach unten liegen kann.
- Leg den Hut auf die Grenze zwischen weißem und schwarzem Papier, je zur Hälfte auf jede Farbe. So siehst du den Abdruck, welche Farbe die Sporen auch haben.
- Lass einen Tropfen Wasser auf die Oberseite des Huts fallen; das hilft den Sporen beim Ablösen.
- Stülp das Glas über den Hut, damit kein Luftzug die Sporen wegbläst.
- Warte eine Nacht, mindestens sechs Stunden. Heb das Glas ab, heb den Hut vorsichtig gerade nach oben, und schau.
Welche Farbe siehst du bei welcher Art?
Austernpilze geben einen weißen bis hell lila Abdruck, so fein, dass er auf schwarzem Papier leuchtet wie eine Galaxie. Shiitake gibt Weiß. Die Braunkappe gibt dunkles Violettbraun, fast Schwarz. Nameko und Fettiger Schüppling geben Rostbraun. Igelstachelbart und Klapperschwamm sind schwieriger: Sie haben keine Lamellen, sondern Stacheln oder Poren, und geben einen dünnen, weißlichen Abdruck, den man nur auf Schwarz sieht. Vergleiche mit der Tabelle unten, und mit dem, was du im Wald findest: Ein Pilz, der wie ein Austernpilz aussieht, aber einen braunen Abdruck gibt, ist kein Austernpilz.
| Art | Farbe des Sporenabdrucks | Bestes Papier |
|---|---|---|
| Austernpilze | Weiß bis hell lila | Schwarz |
| Shiitake | Weiß | Schwarz |
| Igelstachelbart, Klapperschwamm | Weiß, dünn | Schwarz |
| Braunkappe | Violettbraun bis schwarz | Weiß |
| Nameko, Fettiger Schüppling, Südlicher Ackerling | Rostbraun | Weiß |
| Samtfußrübling | Weiß | Schwarz |
Warum ist das für Züchter wichtig?
Weil es der einzige Test ist, den man ohne Mikroskop machen kann und der nie lügt. Die Sporenfarbe ist je Art festgelegt, unabhängig davon, wie der Pilz gewachsen ist. In der Zucht nutzen wir es andersherum: Ein Abdruck auf sterilem Papier ist auch der Ausgangspunkt einer neuen Kultur, denn aus diesen Sporen kann man auf Agar einen neuen Stamm wachsen lassen. So wird aus einem wilden Pilz ein Stamm, wie im Beitrag über die Stammsammlung beschrieben. Zu Hause musst du das nicht versuchen, aber es ist gut zu wissen, was auf deinem Papier liegt: kein Staub, sondern der Anfang eines Pilzes.
Aufbewahren und schön machen
Ein frischer Abdruck wischt sich sofort weg. Willst du ihn behalten, sprüh ihn aus einem halben Meter Abstand vorsichtig mit Haarspray oder Fixativ für Zeichnungen ein, in zwei dünnen Schichten. Auf schwarzem Papier gerahmt ist ein Austernpilzabdruck ein Geschenk, nach dem Leute fragen. Und mit Kindern, siehe den Kinderbeitrag, ist das der Moment, in dem die Frage "Wo kommen Pilze her" eine greifbare Antwort bekommt: Da liegen sie, hundert Millionen auf einmal, auf einem Blatt Papier.
Die Sicherheitsregel
Ein Sporenabdruck ist harmlos, mit einer Einschränkung: Mach ihn nicht mit einem Pilz, den du irgendwo anders her hast und nicht sicher kennst, und lass das Papier nicht in einer Küche herumliegen, in der jemand mit Sporenallergie oder Asthma arbeitet. Bei einem eigenen Austernpilz aus dem eigenen Zuchtset ist nichts dabei. Genau deshalb ist er so ein guter Schüler.