Anleitung: Schopftintling (Shaggy Mane) Brut

Schopftintling - Shaggy Mane - Brut

(Coprinus comatus)

Der Schopftintling ist kein Holzpilz. Er lebt von nährstoffreichem Boden und Kompost, wie in einem Rasen oder auf einem Komposthaufen. Am einfachsten züchtest du ihn deshalb draußen, im Garten. Drinnen geht es auch, in einer Wanne mit Deckerde; das steht weiter unten. Was du in beiden Fällen wissen solltest: Die Pilze sind nur sehr kurz gut. Sie müssen jung geerntet und am selben Tag gegessen werden.

Verwende die Brut so schnell wie möglich nach Erhalt oder bewahre sie höchstens einige Wochen im Kühlschrank auf.

Draußen anbauen: die einfache Methode

Wähle einen Platz im Halbschatten, der nicht schnell austrocknet. Am besten legst du ihn im Frühjahr oder Sommer an. Es gibt drei Wege, von ganz einfach bis etwas mehr Arbeit.

1. Im Rasen:

Stich an ein paar Stellen ein Stück Rasen ab, streue die Brut darunter und lege die Sode zurück. Drücke sie an und gieße. Ein frisch angelegter oder gedüngter Rasen ist ideal.

2. Im Kompost:

Mische die Brut unter die oberste Schicht eines Komposthaufens oder eines Beets mit reifem Kompost oder verrottetem Mist. Decke es mit einer dünnen Schicht Torf oder Erde ab und gieße.

3. Mit Holzhackschnitzeln:

Lege ein Beet aus 10 bis 15 cm Laubholzhackschnitzeln oder Sägemehl an und mische Kompost oder verrotteten Pferde- oder Kuhmist darunter. Holzhackschnitzel allein sind für diese Art zu mager: Das Holz hält das Beet luftig und feucht, der Kompost oder Mist liefert die Nährstoffe. Mische die Brut unter die oberste Schicht, decke sie mit einer dünnen Schicht Torf oder Erde ab und gieße.

Danach:

Halte die Stelle in den ersten Wochen feucht und gieße danach nur bei Trockenheit. Streue die Brut nicht zu dünn aus: Eine kleine Stelle mit viel Brut wächst besser an als eine große mit wenig. Die Pilze kommen, wenn es abkühlt, meist im Herbst und oft nach Regen, manchmal erst ein Jahr später. Eine gelungene Stelle kann viele Jahre hintereinander wiederkommen. Schau in der Saison jeden Tag nach, denn die Ernte muss schnell gehen (siehe Ernten).

Drinnen in einer Wanne anbauen

Drinnen hast du Temperatur und Feuchtigkeit selbst in der Hand, es ist aber mehr Arbeit.

Was du brauchst:

  • Schopftintling-Brut
  • Substrat: gehäckseltes Stroh und gut verrotteter Pferde- oder Kuhmist, halb und halb
  • Deckerde: Torf, eventuell mit Vermiculit gemischt
  • Eine Wanne, einen Eimer oder einen Zuchtbeutel
  • Einen großen Topf und ein Thermometer zum Pasteurisieren
  • Sprühflasche

Vorbereitung des Substrats:

Mische gleiche Teile Stroh und verrotteten Mist, nach Gewicht. Statt Stroh kannst du auch Kokosfaser verwenden. Gib Wasser dazu, bis beim kräftigen Zusammendrücken ein paar Tropfen herauskommen, es aber nicht tropft. Pasteurisiere die Mischung danach 60 bis 90 Minuten bei 60 bis 70 Grad, zum Beispiel in einem verschlossenen Beutel oder Topf in heißem Wasser, mit dem Thermometer dabei. Kochen oder Sterilisieren ist nicht nötig. Lass alles auf Zimmertemperatur abkühlen.

Beimpfen:

Arbeite mit sauberen Händen auf einer sauberen Arbeitsfläche. Mische die Brut gleichmäßig unter das abgekühlte Substrat, etwa 1 Teil Brut auf 5 bis 10 Teile Substrat. Mit 80 Gramm Brut beimpfst du also ein halbes bis fast ein ganzes Kilo Substrat. Gib die Mischung in die Wanne oder den Beutel und drücke sie leicht an. Decke die Wanne mit Folie mit ein paar Löchern ab oder verschließe den Beutel so, dass noch etwas Luft hineinkommt.

Inkubation:

Stelle das Ganze dunkel bei 21 bis 27 Grad. Wärmer ist nicht besser: Über 27 Grad kommt das Wachstum zum Stillstand. Das Myzel ist weiß und watteartig und braucht 2 bis 4 Wochen, um das Substrat ganz zu durchwachsen. Grüne oder nasse, stinkende Stellen deuten auf eine Kontamination hin.

Deckerde aufbringen:

Ist das Substrat ganz weiß, kommt eine 2 bis 3 cm dicke Schicht feuchte Deckerde darauf. Drücke sie nicht an. Diesen Schritt kannst du nicht auslassen: Ohne Deckschicht bildet der Schopftintling so gut wie keine Pilze.

Wachstum und Fruchtung:

Stelle die Wanne danach kühler, bei 15 bis 20 Grad, an einen hellen Platz ohne direkte Sonne. Der Temperaturabfall löst die Fruchtung aus. Halte die Deckerde mit der Sprühflasche feucht, aber nicht nass, und sorge für eine hohe Luftfeuchtigkeit (85 bis 95 Prozent) und frische Luft. Nach etwa zwei Wochen erscheinen die ersten Knöpfchen. Danach geht es schnell: Innerhalb einer Woche sind sie erntereif.

Zweite Ernte:

Halte die Deckerde feucht und die Bedingungen gleich. Nach 7 bis 10 Tagen Ruhe folgt meist eine zweite Welle, die kleiner ausfällt als die erste. Kommt nach drei Wochen nichts mehr, ist das Substrat erschöpft. Du kannst die Wanne dann noch draußen eingraben, in einem Beet oder im Komposthaufen.

Ernten und verwenden

Ernten:

Ernte jung. Der Hut ist dann noch weiß, geschlossen und walzenförmig und liegt noch am Stiel an. Sobald sich der untere Rand rosa oder schwarz färbt, bist du spät dran. Drehe die Pilze vorsichtig am Fuß heraus. Schau in dieser Phase zweimal am Tag nach, denn der Unterschied zwischen zu früh und zu spät ist manchmal nur ein Tag.

Sofort verwenden:

Der Schopftintling baut sich selbst ab: Innerhalb eines Tages nach der Reife zerfließt der Hut zu schwarzer Tinte. Das ist kein Verderb, sondern die Art, wie er seine Sporen verbreitet, und es geht nach dem Pflücken einfach weiter. Verarbeite die Ernte deshalb am selben Tag, am besten innerhalb weniger Stunden. Iss sie immer erhitzt. Roh aufbewahren geht nicht, aber gebraten halten sie sich 3 bis 5 Tage im Kühlschrank.

Gut zu wissen:

Der Schopftintling nimmt Schwermetalle aus dem Boden auf. Baue ihn also in sauberer Erde und sauberem Kompost an, nicht an einer viel befahrenen Straße. Und der bekannte Rat, Tintlinge nicht mit Alkohol zu kombinieren, gilt für den Grauen Faltentintling (Coprinopsis atramentaria). Der Schopftintling enthält diesen Stoff (Coprin) nicht.