Mein Stamm ist beimpft, aber seit einem Jahr passiert nichts. Ist das schlimm?

Es ist Februar, der Stamm liegt jetzt ein Jahr, und es ist überhaupt nichts passiert. Kein Pilz, kein Flaum, nichts. Die Frage, ob es misslungen ist, bekommen wir jedes Frühjahr Dutzende Male. Die Antwort beruhigt fast immer: Ein Jahr ist für die meisten Arten schlicht zu früh. Hier erkläre ich, wie lange es wirklich dauert, wie du von außen siehst, ob das Myzel lebt, und wann du einen Stamm tatsächlich aufgibst.

Wie lange dauert es, bis ein beimpfter Stamm Pilze liefert?

Sechs bis achtzehn Monate ist die übliche Spanne, und die ist so breit, weil drei Dinge mitspielen: die Art, die Dicke des Holzes und das Wetter. Ein Austernpilz auf einem dünnen Erlenstamm kann nach einem halben Jahr schon etwas zeigen. Shiitake auf einer dicken Eiche braucht locker achtzehn Monate und manchmal zwei Jahre. Reishi und Klapperschwamm sind noch langsamer. Ein Stamm, der im März beimpft wurde und im Februar darauf noch nichts tut, liegt also einfach im Plan.

Woran siehst du, ob das Myzel noch lebt?

Schau auf die Stirnseiten. Bei einem Stamm, der anwächst, erscheinen dort mit der Zeit weiße Flecken oder ein weißer Rand: das Myzel, das durch das Holz gewachsen ist und am Ende nach außen tritt. Je mehr Weiß, desto weiter die Besiedlung. Bei Shiitake wird dieses Weiß später braun und lederartig, das ist normal. Siehst du nach einem Jahr noch gar nichts an den Stirnseiten, ist das noch kein schlechtes Zeichen, aber ein Grund, genauer hinzuschauen.

Zweite Kontrolle: die Dübel selbst. Kratz vorsichtig etwas Wachs von einem Loch und sieh dir den Dübel an. Weiß und fest, oft mit Flaum drumherum: lebt. Grau, geschrumpft oder lose in einem trockenen Loch: Dieser Dübel ist ausgetrocknet, und wenn die meisten Dübel so aussehen, war das Holz zu trocken.

Dritte Kontrolle: das Gewicht. Heb den Stamm an. Ein Stamm, der noch feucht ist, fühlt sich schwer an und macht weiter. Ein Stamm, der viel leichter ist als beim Beimpfen, ist ausgetrocknet, und Austrocknung ist mit Abstand der wichtigste Grund, warum Stämme nichts tun.

Was tust du, wenn der Stamm zu trocken ist?

Untertauchen. Leg den Stamm 24 Stunden in eine Wanne oder einen Graben mit kaltem Wasser, oder lass ihn einen Tag lang unter einem tröpfelnden Gartenschlauch durchweichen. Stell ihn danach in den Schatten, am besten mit einer Seite auf dem Boden oder halb eingegraben, damit er Feuchtigkeit aus der Erde ziehen kann. Wiederhole das bei langer Trockenheit. Oft kommt ein Stamm, der "tot" schien, nach so einer Behandlung doch noch in Gang.

Kann man einem Stamm einen Schubs geben?

Ja, aber nur, wenn er durchwachsen ist. Der klassische Shiitake-Trick ist das Schocken: einen vollständig besiedelten Stamm 24 Stunden in kaltes Wasser legen und danach aufrecht stellen. Der Temperatur- und Feuchtigkeitsunterschied regt den Pilz zum Fruchten an, meist innerhalb von ein bis zwei Wochen. Mach das im Frühjahr oder Herbst bei Temperaturen zwischen 10 und 20 Grad, und nicht öfter als zweimal im Jahr, denn jede Welle kostet den Stamm Reserven. Bei einem Stamm, der erst halb durchwachsen ist, bringt Schocken nichts: Da gibt es noch nichts zu wecken.

Wann gibst du einen Stamm auf?

Wenn nach zwei Jahren an den Stirnseiten nichts Weißes zu sehen ist, die Dübel trocken und grau sind, und inzwischen andere Pilze aus dem Stamm wachsen. Dann hat eine wilde Art das Holz übernommen und das Rennen ist verloren. Auch ein Stamm, dessen Rinde in großen Lappen abfällt und dessen Holz darunter weich und dunkel ist, ist meist am Ende. In allen anderen Fällen: liegen lassen, feucht halten und noch eine Saison warten. Wir hatten Stämme, die im dritten Jahr plötzlich anfingen, und die lieferten danach jahrelang Ernte.

Wie vermeidest du das beim nächsten Stamm?

Die drei Dinge, die am meisten ausmachen: frisches Holz von höchstens sechs Wochen, Beimpfen im Februar oder März, und den Stamm im ersten Jahr nie länger als ein paar Wochen knochentrocken stehen lassen. Wie du Holz prüfst und wann du fällst, steht in unserem Beitrag über den Fällkalender. Und schick im Zweifel gern ein Foto der Stirnseiten, dann schauen wir mit. Meist können wir anhand eines Fotos sagen, ob sich die Geduld noch lohnt.

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